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ST. GALLEN Hotel Einstein Wann wird das Einstein ein Fünfstern-Hotel?

Wann wird das Einstein ein Fünfstern-Hotel?
 
St. Gallen: Business-Stadt mit Textilindustrie, wichtiger Bankenplatz, Standort der renommierten Handelshochschule (HSG). Jährlich 189000 Übernachtungen, überwiegend Geschäftsleute. Wo diese Gäste nächtigen, beziehungsweise tagen? Jedenfalls nicht im Fünfstern-Luxusbereich, denn der fehlt in der GallusStadt gänzlich. Dafür hat das Hotel Einstein im Klosterviertel nun aufgerüstet – jedoch nicht der Sterne wegen, wie General Manager Jürgen Kögler (52) betont.

Text: Nicole Amrein

Die Frage nach den Sternen beantwortet er erst einmal mit einem Lächeln. Nein, für Einstein-General-Manager Jürgen Kögler ist der fünfte Stern kein Thema. «Das war er zu keiner Zeit. Zwar bewegen wir uns mit unseren Angeboten in vielen Bereichen im Luxussegment, doch wollen wir bewusst ein Vierstern-Haus bleiben.» Nicht irgendeines, wohlverstanden, sondern eines der Besten in seiner Klasse, fügt der 52-jährige Deutsche noch hinzu, ehe er den Kongresssaal «Liebegg» betritt.
Dreizehn hoch moderne Tagungsräume umfasst das neue Einstein Congress, ein jeder mit einem St. Galler Flurnamen versehen: Harfenberg, Friedegg, Kammelenberg – so bodenständig die Bezeichnungen auch klingen mögen, im Inneren der mit Tageslicht durchfluteten Räume herrscht Hightech vor. Ob Laserpointer, Overhead Projektor, Breitband-Anschluss oder drahtloses Mikrofonsystem: der Kunde gibt im Vorfeld des Meetings möglichst präzise seine Bedürfnisse bekannt, sodass die entsprechende Infrastruktur am Tag X zur Stunde Y aufgeschaltet werden kann. Aktiviert wird sie jedoch erst, wenn die für das Meeting verantwortliche Person die ihr ausgehändigte Raumkarte ins Kästchen neben der Türe schiebt. Dann geht wie von Geisterhand das Licht an, schaltet sich die Kaffeemaschine (Nespresso) ein, die – wie die Schrankgarderobe mit integriertem Schliessfach – fester Bestandteil eines jeden Tagungsraumes ist.
«Auf solche Details legen wir Wert», sagt Kögler, der sich während des Gesprächs als Nachhaltigkeits-Verfechter offenbart. Sein Credo: Je besser das Wohlbefinden eines Seminarteilnehmers während des Anlasses, desto grösser der längerfristige Erfolg der Veranstaltung. Deshalb die hohen Raumdecken, deren Lochmuster den St. Galler Spitzen nachempfunden worden ist. Deshalb auch die hochwertigen Verblendungen aus kanadischer Kirsche, die voluminösen Schurwollteppiche, der feudale Doussié Parkett, das raffiniert geschwungene Treppenhaus mit seinen grosszügigen Foyers und das eigene Parkhaus, angeschlossen ans St. Galler Parkhaus-Leitsystem, damit nervtötendes und zeitraubendes Suchen des Weges für den Gast wegfällt.
Stressfreies Wellbeeing auch, was die Kulinarik anbelangt: Frisch, gesund und regional wird unter der Ägide von Küchenchef Ralph Leisi gekocht, im À-la-Carte-Hotelrestaurant mit Panoramablick genauso wie für den Bankett- und Seminarbereich. Apropos Gastronomie: Seit der schrittweisen Inbetriebnahme des Kongresshauses von Ende Mai bis zu seiner endgültigen Eröffnung am 8. September ist der F&B-
Bereich auf fünfzig Prozent des Gesamtumsatzes angestiegen. Mit dem geplanten Bistro und dem Einstein-Café im Parterre des Neubaus dürften es sogar noch mehr werden. Immer vorausgesetzt, das Angebot findet Abnehmer. Doch es sieht gut aus. Sehr gut sogar, was die Stadt St. Gallen und die Region Ostschweiz betrifft. Jedoch dürfte laut General Manager Kögler die Nachfrage aus dem Rest der Schweiz und dem benachbarten Ausland noch wesentlich grösser sein. «Wir sind im Moment dabei, den Grossraum Zürich werbetechnisch zu erschliessen. Zudem haben wir eine Sales-Mitarbeiterin eingestellt, die einzig für den süddeutschen Raum zuständig ist. Und: Wir sind eine Kooperation mit der Hotelvereinigung Worldhotels eingegangen, die uns international vernetzt.»
Der Aufbau braucht Zeit, bindet personelle Ressourcen, die Jürgen Kögler im ebenfalls neu erbauten Fitnessbereich glücklicherweise nicht bereitzustellen braucht. Der Fitnesspark wurde vom Hotel Einstein erbaut, wird nun aber von der Migros betrieben. Einstein-Gäste haben freien Zutritt – bald auch über einen unterirdischen Korridor, der direkt vom Hotel ins benachbarte Gebäude führt, wo auf dreitausend Quadratmetern modernste Kraft- und Ausdauergeräte darauf warten, bewegt zu werden, ein Zen-Garten sowie eine japanische Badeanlage zum Relaxen einladen. Während Marketing-Leiterin Isabelle Lehmann im Fitness-Angebot vor allem ein «Goody» für Weekend-Touristen sieht, betont Jürgen Kögler die Wichtigkeit auch für den Business-Gast: «Wer den ganzen Tag an einem Meeting sitzt und mit dem Kopf arbeitet, ist unter Umständen froh, sich abends noch für eine halbe Stunde aufs Laufband stellen zu können.»
Als Alternative zur körperlichen Ertüchtigung nach Seminarende bietet sich zur Entspannung die Hotel-Bar im Einstein-Stammhaus an, ein gediegener, von der St. Galler Bevölkerung leider viel zu wenig genutzter Rückzugsort im englischen Stil. Die Clubatmosphäre der Bar soll auch nach den geplanten Umbauarbeiten erhalten bleiben. Wobei «Umbau» nicht das richtige Wort ist. Facelifting trifft es schon besser, denn mehr sollen die Arbeiten nicht sein, die nun – nach Fertigstellung von Kongress-Haus und Fitnesspark – im klassizistischen Stammhaus in Angriff genommen werden. Zunächst werden in den Zimmern die Bäder und Teppiche ausgewechselt und die technischen Einrichtungen auf Vordermann gebracht. Danach erhalten Lobby, Restaurant und Bar eine Verjüngungskur, welche bis 2011 dauert und dann abgeschlossen sein soll.
Und dann? Nicht doch der fünfte Stern? Jürgen Kögler, zwölf Jahre lang Direktor des Maritim Hotel in Stuttgart mit 300 Mitarbeitern und 555 Zimmern, bleibt standhaft: «St. Gallen ist nicht der Ort für ein Fünfstern-Hotel. Wir haben hier keinen Massentourismus in diesem Segment, so wie Zürich oder Luzern. Zudem bietet das Hotel Einstein ja fast alles, was ein Luxushaus auch hat. Deswegen müssen wir nicht künstlich Zimmer vergrössern oder einen 24-Stunden-Room-Service aufrechterhalten, der von unseren Gästen nicht nachgefragt wird.

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